Zurück in die Bronzezeit

Ein uraltes Handwerk ist in der
Kunstgießerei immer noch lebendig


Wer kennt sie nicht, die bronzenen Reiterstandbilder, die allerorten vom Ruhm und Heldenmut kriegerischer Feldherren und Könige künden? Kaum aber jemand weiß, wie eine solche Bronzefigur hergestellt wird.
In Frechen-Bachem, einem kleinen Nest in der Nähe von Köln haben wir uns in einer Kunstgießerei umgesehen. Das Handwerk ist noch das gleiche wie zu Zeiten der Großväter. Hier wird wirklich noch alles von Hand gemacht, große Maschinen, die gar computergesteuert ohne den Menschen auskommen, gibt es hier nicht. Hier sind Werkzeuge nur Hilfsmittel. Fingerfertigkeit und Augenmaß sind alles.



Stück für Stück wird das Modell in reinem Quarzsand eingebettet. So entsteht eine milimetergenaue Form, die später als Gußform dient.

Und jeder Handgriff muß sitzen, denn beim Umgang mit der glühenden Metallmasse kann Unachtsamkeit für alle gefährlich werden. Doch nun zur Sache: Wie entsteht die Kunst, wie wird aus einem Bronzeklumpen der tanzende Faun oder der kriegerische Feldherr.
Am Anfang steht hier der Künstler, der den Entwurf für das spätere Werkstück oder Kunstobjekt anfertigt, denn die Kunstgießer verstehen sich als Handwerker, nicht als Künstler. Sie können erst mit dem Modell aus Gips, Holz oder Ton etwas anfangen. Dieses Modell wird erst in einen sandgefüllten Gußkasten eingebettet.
Man kennt das Grundprinzip aus Kindertagen vom Kuchenbacken im Sandkasten her. Und genau wie damals ist auch hier die Haftfähigkeit des Sandes von entscheidender Bedeutung. Reiner Quarzsand erfüllt alle Voraussetzungen: Er ist so feinkörnig, daß er auch in die feinsten Ritzen der Vorlage eindringen kann, er klebt und haftet gut, das ist für die späteren Arbeitsgänge wichtig.

Die fertigen Formteile werden nach jedem Arbeitsgang mit Formpuder bestäubt, das verleiht der Form Festigkeit und erleichtert später das Trennen der Einzelteile




Nach dem Anmodellieren der Form wird das Modell vorsichtig herausgenommen.

Ist das Modell nun in den Sand eingebettet, muß gründlich aufgestampft werden, bei Formen, die sehr zerklüftet sind oder freistehende Einzelteile haben, werden mehrere Stücke angestampft. Das geht, denn der Sand verdichtet sich so stark, daß er nach dem Stampfen abgehoben werden kann. Als Hilfs- und Trennmittel der einzelnen Formteile dienen Mergel und Formpuder. Zwei solcher Formhälften werden hergestellt, dann wird das Modell herausgenommen, Gießkanäle für die Metallmasse eingearbeitet und die Form mit Eisenbändern verschlossen. Halt, vorher muß die Sandform natürlich noch für vier bis acht Stunden in den Trockenofen, etwa 500 Grad warm ist es darin.

Der mit Öl angeheizte Ofen wird auf eine Temperatur von 1400 Grad Celsius gebracht.




In solchen Blöcken wird die Bronze in den Schmelztiegel eingesetzt.

Während der große Schmelzofen in der Erde vorbereitet wird, der Tiegel mit Metall gefüllt wird und nun langsam auf rund 1400 Grad Celsius erhitzt wird, frage ich den Meister nach der Zusammensetzung des Metalls. Er lächelt verschmitzt: "Das ist ein Familiengeheimnis! So wie ein guter Konditor niemals die Zutaten für seine Spezialtorte preisgeben würde, so kommt es auch hier auf die Mischung an - und da hat jeder sein spezielles Rezept." Soviel verrät er aber dann doch. Kupfer und Zinn, das ergibt Bronze, wir wissen es noch aus der Schule. Dazu ein bißchen Silber, ein bißchen Aluminium, aber das auch nur ab und zu. Der Betrieb setzt auf die Stammkundschaft. Hauptsächlich sind es Künstler, die für den sakralen Bereich arbeiten, die zu ihm kommen. Kirchentüren, Portale, Heiligenfiguren, Kelche, Trenngitter für den Altarraum, die sind häufig im Bronzegußverfahren hergestellt. Aber auch der Klüttenmännerbrunnen in der Braunkohlenstadt Frechen oder die Statue des schwarzen Freiheitskämpfers Martin Luther King, die bis über den großen Teich nach Springfield ging, entstanden in der Schnitzlerischen Werkstatt.

Wenn die Bronze die richtige Temperatur erreicht hat, kann der eigentliche Gießvorgang beginnen. Der Fachmann erkennt das am -Spiegel-.




Glühende Bronze

Im runden Graphittiegel hat das Metall inzwischen den Schmelzpunkt erreicht. Ein Thermometer brauchen die Männer nicht, der Fachmann erkennt den richtigen Zeitpunkt am "Spiegel" der Metalloberfläche. Es werden aber rund 1400 Grad sein, die die brodelnde Masse hat. Nun ist keine Zeit mehr für lästige Journalistenfragen, jetzt muß es schnell gehen. Die Szenerie erinnert ein wenig an den Vorhof der Hölle. Das rotglühende Metall taucht den ganzen Raum in ein gespenstisches Licht. Konzentriert und angespannt sind die Gesichter der Männer, als sie die riesige Schere ansetzen, mit deren Hilfe zu zweit der Gießtiegel aus dem Ofen gehoben wird. Wird viel Material gebraucht, ersetzt der Flaschenzug die Muskelkraft. Die vorbereiteten Gußformen sind schon mit Eisenstangen aneinandergepreßt und stehen in Reih und Glied bereit. Innerhalb weniger Sekunden rangieren die Männer den Tiegel über die winzig erscheinenden Gießöffnungen, nichts geht daneben, zäh wie Sirup fließt die rotglühende Masse in die Formen, abgießen nennt das der Fachmann.

Schwerstarbeit: Gußvorgang in Rauch und Hitze.




Unebenheiten und Ränder werden von Hand nachgearbeitet.

Nun müssen die Formen abkühlen, bis die Metallstarre eingetreten ist. Dann erst können Sie geöffnet werden und das gegossene Teil wird mit Zangen aus der Form befreit. Dann wird das Werkstück gesandstrahlt und die Gießkanäle abgeschlagen. Eventuell entstandene Gußnähte werden mit der Flex weggeschliffen, oder besser gesagt, weggebunzt. Die Übergänge müssen ja nachher unsichtbar sein. Den letzten Schliff bekommen sie beim Ziselieren und dann stehen sie hellblinkend in Reih und Glied, die nun fertigen Kunstobjekte. Das heißt, fertig sind sie eigentlich noch nicht, denn die typische Patina und Färbung aller Bronzeobjekte muß erst noch aufgebracht werden.
Mit einer Art Säure werde das gemacht, erklärt mir der Meister, aber auch hier sei das genaue Rezept, wie gesagt, Familiengeheimnis.



Text : Hildegard Ziskoven

Fotos: Gerhard Zerbes

Bis ins Detail schön anzusehen. Der Bartmannbrunnen in Frechen bei Köln.




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