Mit der Feluke nilabwärts
Reisen wie schon vor 5000 Jahren (Fotos Gerhard Zerbes)
Heiß und klebrig liegt die Luft wie ein riesiger Deckel über den Straßen. Es riecht nach Abgasen, ranzigem Fett, nach bruzelndem Fleisch, Gewürzen und nach Petroleum. Autos hupen Taxis bahnen sich in mörderischem Tempo ihren Weg durch das Verkehrschaos, dazwischen Mopeds, Eselskarren, Omnibusse und Menschenmassen. Der Alltag in Kairo kennt keine Ruhe und Beschaulichkeit, wer hier zurechtkommen will, muß Nerven haben... und Kleingeld. Denn Bakschisch ist das Zauberwort, das dem Neuankömmling den Weg durch den Dschungel an neuen und verwirrenden Eindrücken zu bahnen vermag. Für ein paar Münzen kennt auf einmal der Fahrer des Taxis, das wir uns vom Flughafen aus genommen haben, und dessen mörderischem Fahrstil wir soeben lebend entronnen sind, ein preiswertes Hotel. Hier könne man gut und preiswert übernachten, so versichert er uns, er kenne den Besitzer, es sei gewiss noch ein Zimmer frei. Und so ist es dann auch. Für 35 £E (ägyptische Pfund), das sind umgerechnet etwa DM 28,00, ergattern wir noch ein Doppelzimmer. |
Lastentransport wie schon zur Zeit der Pharaonen: Frachtschiff auf dem Nil
|
Die Einrichtung ist spartanisch, aber akzeptabel und wenn man Glück hat, fließt sogar warmes Wasser aus dem Hahn. Wir laden unser Gepäck ab, machen uns rasch ein wenig frisch und dann stehen wir auf der Straße und können es noch gar nicht fassen. Heute morgen noch im januartrüben, feuchtkalten Köln und jetzt bei mindestens 30 Grad im Schatten im Herzen von Kairo. Das Visum für unseren Aufenthalt haben wir uns übrigens schon am Flughafen besorgt. Das geht problemlos und kostet nicht viel. Der Preis schwankt, der ist scheinbar Verhandlungssache, wie überall in Ägypten. So, der heutige Tag gehört aber nun dieser atemlos machenden, gleichzeitig orientalisch und doch westlich anmutenden 15 Millionenstadt. Erst morgen wollen wir in Assuan sein, um von dort aus auf einer der zahlreichen Feluken nilabwärts zu segeln. Doch erst einmal sind wir in Kairo. |
Rollende Garküchen, wie diese hier, sieht man überall in Ägypten. |
Wir lassen uns treiben und genießen die Atmosphäre. Moscheen, Obelisken, überall Händler mit ihren Karren und stets präsent die unvergleichlichen rollenden Garküchen. Hier läßt es sich wie nirgendwo aus der Hand schmausen. Oder besser gesagt aus der Zeitung. Denn die Zeitung dient hier nicht nur der Lektüre, sondern ist das Universalverpackungsmittel. Eine Tüte oder Serviette? Gibt es nicht, und was soll's auch, an einer Spur Druckerschwärze ist noch niemand gestorben. Also, was darf es sein? Vielleicht eine Portion Taamiya, der gebratenen Würzklößchen aus gebackenen Bohnen und Petersilie mit einem Stück Esh, dem Fladenbrot der Ägypter, dazu. Gekocht wird natürlich an Ort und Stelle. Ein Karren, darauf ein Blechtopf, das ganze beheizt mit Petroleum. Oder vielleicht Kebab, die inzwischen auch bei uns bekannten Spießchen aus gegrilltem Lamm- oder Hammelfleisch. Auch Kofta, Frikadellen aus gehacktem Lammfleisch serviert auf frischer Petersilie oder auf Korianderblättern, schmecken nicht schlecht. Dazu ißt man Makhallal, ein Essiggemüse. |
Aber Vorsicht, der westeuropäsche Magen, höchstens an den zweifelhaften Genuß normierter Flachfrikadellen einer weltumspannenden Schnellimbisskette gewöhnt, könnte rebellieren. Und, die ägyptische Küche ist gut gewürzt, vielleicht etwas zu gut für unsere Zungen, aber das macht nichts, denn zum Durstlöschen gibt es den leicht gesüßten Karkadeh, einen tiefroten Malventee. Alkohol ist hier übrigens rar und teuer, denn ein gläubiger Moslem trinkt keinen Alkohol. Wer dennoch nicht auf ein Gläschen verzichten möchte, sollte einmal den ägyptischen Wein probieren. Es lohnt sich. ---Unterwegs lernen wir auch Mohammed und Ezzart kennen, sie arbeiten in dem Finanzamt von Kairo und laden uns ganz herzlich zur Besichtigung ihrer Arbeitsstätte ein. Warum nicht, schließlich hat man ja hier nichts zu befürchten. Und so sitzen wir denn eine Stunde später im Finanzamt der Stadt Kairo, werden mit Tee bewirtet und zu unseren Urlaubsplänen befragt. Alle sind herzlich und freundlich und wenn wir Hilfe bräuchten, ... jederzeit stünden sie zur Verfügung. Dergleichen Einladungen und Hilfsangebote sollte man allerdings nicht zu wörtlich nehmen, sie gehören zum guten Ton und sind erst nach unzähligen Wiederholungen ernst gemeint. Die Büroeinrichtung erinnert an Filme wie "Casablanca" und hat nostalgischen Charme. Zu der funktionalen Nüchternheit westlicher Büros gibt es keine Parallelen. Alles ist mit dem allgegenwärtigen gelblichen Staub überzogen und die Wände sind von unsäglichem, abblätterndem Grün. Wir verabschieden uns, bekommen viele guten Wünsche mit auf die Reise, vielleicht sieht man sich ja einmal wieder, Inschallah, so Gott will. |
|
|
|
|
|
|
Der Feluka-Kapitän
in der landesüblichen Bekleidung, der Dschellabah.
|
|
"Fertigmachen zum Ablegen!"
Unsere Crew unmittelbar vor dem Ablegen.
|
|