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Am frühen Abend zieht der Wind auf, die mitgebrachten Jacken werden hervorgekramt, gegen 19 Uhr kommt fast übergangslos die Dunkelheit. Wir steuern das Ufer an und schlagen am Rand eines Zuckerrohrfeldes das Nachtlager auf. Alle müssen beim Holz sammeln helfen und schon nach kurzer Zeit prasselt ein munteres Feuerchen. Der Rauch treibt uns die Tränen in die Augen, trotzdem sitzen wir bis in die späte Nacht am Feuer, lassen uns von unserem Kapitän nubische Volkslieder beibringen, jeder singt tapfer mit. Einer hat so etwas wie eine Trommel mit, Kongas und Bongos werden hervorgeholt, die lebendige rhythmische Musik geht ebenso wie der mitgebrachte Rotwein ins Blut.


Sonnenuntergang am Nil: ein traumhaftes Bild wie aus 1001 Nacht.


Das Essen, ein Eintopf aus Bohnen, Tomaten, Gewürzen und Öl wird auf dem Petroleumkocher zubereitet, gegessen wird von Blechtellern. Zur Feier des Abends zündet sich der Kapitän eine Schisha, die Wasserpfeife an. Der grobe honighaltige Tabak ist süßlich im Geruch und Geschmack. Er wird mittels Holzkohle zum Glühen gebracht. Auch der Fotograf darf mitrauchen, ein Sympathiebeweis allererster Güte. Geschlafen wird an Deck, nachts wird es empfindlich kalt und feucht dazu. Eine Plane soll die Schläfer vor der Feuchtigkeit schützen, trotzdem fühlen wir uns am Morgen wie nasse Handtücher. Um sieben Uhr heißt es schon aufstehen, die Zähne werden mit dem mitgebrachten Wasservorrat geputzt, ansonsten ist Katzenwäsche angesagt.Wieder bietet uns der Nil eine unvergleichliche Kulisse, unzählige Fischerboote sind unterwegs, eine Ladung laut schreiender Kamele wird über den Fluß transportiert, am Ufer fußballspielende Kinder, Bauern auf dem Weg zum Feld, wassertragende Frauen. Viele winken uns zu, rufen freundliche Worte in der uns unbekannten Sprache, aber wir verstehen auch so. Ein schöner Morgen, einen guten Tag, inschallah.


Ein Früchtehändler mit Erzeugnissen aus eigenem Anbau.

Die Vegetation wechselt, hier ist fruchtbares Land, wie schon seit tausenden von Jahren werden die Felder mit Ochsen und Pflug bestellt. Der Nil beschert reichhaltige Ernten von Auberginen, Bananen, Mangos, Datteln, Papayas und allen nur möglichen Gemüsesorten. Hier gedeihen Mais und Zuckerrohr, hier wächst auch Baumwolle. Für die Tiere wird Klee angebaut, aus den Palmfasern machen die Bauern Kisten für den Transport der geernteten Früchte.


Ein Bild mit Symbolcharakter: Preis für den Erntereichtum ist ein immenser Einsatz von Kunstdünger.

Die Kinder erwarten uns schon, um uns Souveniers zu verkaufen.



Wir kommen an einer Fellachensiedlung vorbei. Die Lehmziegelhütten mit ihren Strohdächern ducken sich im Schatten einiger Palmen, Kuhfladen sind zum Trocknen ausgebreitet, sie dienen als Brennstoff. Immer wieder sehen wir Eselskarren, hier das Hauptverkehrsmittel, denn ohne Esel geht nichts. Der störrische Helfer ist Fortbewegungsmittel Nummer eins, er dient als Last- und Reittier. Durch die Felder ziehen sich Bewässerungsgräben, deren ausgeklügeltes System diesen Erntereichtum erst möglich macht. Oft erkennt man auch Kinder beim Kleeschneiden oder Wasserschöpfen. Die Kinder helfen von klein auf bei der Feldarbeit mit, sie sind unentbehrlich, ein großer Kindersegen ist eines braven Mannes Reichtum und Altersversorgung.


Schon von klein auf müssen ägyptische Kinder bei der Feldarbeit helfen. Hier schneiden sie Grün für die Tiere.


Hier ist Rummel angesagt, mehrere der großen Hotelschiffe liegen am Ufer, mit Bussen werden die Touristenschwärme angekarrt, ziehen Scharen von Händlern und Gewerbetreibenden nach sich. Einst wurden hier die beiden Hauptgottheiten, der krokodilköpfige Sobek und der falkenköpfige Haroeris verehrt. Die Reliefs an den Außenanlagen rühren von römischen Kaisern her, die einst das Land eroberten. Jede der beiden Gottheiten hat ihre in der Längsachse geteilte Tempelhälfte, sie wurden mit jeweils gesonderten Kulten und Festen verehrt. Am nächsten Vormittag nähern wir uns den Tempelanlagen von Kom Ombo, was so viel wie "Hügel von Ombos" bedeutet. Schon vom Fluß aus erkennen wir die weißgrauen Säulen dieser mächtigen, noch aus der Ptolemaioszeit stammenden Anlage.

Blick auf die Tempelstadt "Kom Ombo". Links im Bild die riesigen Hotelschiffe.


Kleine Kinder verkaufen aus Schilfrohr gewundene Schlangenabbildungen. "Cobra, Cobra," heißt es hier, dafür will man natürlich Backschisch sehen. Wir flüchten vor der Rummelplatzatmosphäre zurück aufs Boot und sind froh, als wir wieder mit dem Strom und unserer Crew alleine sind. Und während wir langsam unserem Endziel, der Stadt Edfu entgegenschippern, sind wir uns einig, daß es eine unvergleichliche Reise war, und das es nichts gibt, was ihr gleich kommt. Oder vielleicht doch? Eine warme Dusche und ein eiskaltes Getränk... .



Fotos: Gerhard Zerbes

Text: Hildegard Ziskoven